Sehr schön. Da hatte ich am Samstag eine Einladung zu einem Heimspiel von Hannover 96, dem designierten Aufstiegsanwärter und fußballerischen Top-Team aus Niedersachsens Landeshauptstadt. Da die „Roten, wie sie sich ja auch nennen, inzwischen in der zweiten Liga kicken, ist die Anstoßzeit um 13.00 Uhr. Sicherlich keine Zeit, die sich der Zweitligist ausgedacht hat, sondern resultierend aus dem tollen Fernsehvertrag, den die Deutsche Fußball Liga mit dem Bezahlsender SKY abgeschlossen hat: „Wer die Musik bezahlt der sagt auch wann gespielt wird.“

Also, zur zuschauerunfreundlichen Zeit sollte dieses Spiel losgehen. Was heißt das für mich als Landei, das mit Öffis zu diesem Spiel anreisen wollte.

Aufstehen am Samstagmorgen, ein Käffchen zum Frühstück, kurz die Neue Presse, Hannovers Fußball-Fachmagazin No1. gelesen, damit man auch weiß, worum es heute gegen Bielefeld geht und wie der Stuhl der Spieler letzten Woche war, und bereits um 10.45 Uhr das Haus verlassen.

Abfahrt meines Busses war um 11.00 Uhr. Pünktlich ging es im 532er nach Empelde, um dann mit der Straßenbahn Linie 9 bis zum Waterloo zu fahren. Vom Waterloo noch gut 20 Minuten zu Fuß zum Stadion, ich war dann gut eine Stunde vor dem Spiel da.

Im Stadion dann das übliche. Eine Kleinigkeit gegessen, eine Kleinigkeit zu Trinken und divers. fachliche Vorgespräche. Um 13.00 Uhr begann das Derby mit den Ostwestfalen.

Nach fußballerischer Magerkost, das Spiel war ein Grottenkick, war dieses Wochenendhighlight um kurz vor 15.00 Uhr mit einem leistungsgerechten 2:2 zu Ende. Gott sei Dank. Jetzt war Zeit für Kaffee und Kuchen.

Nach Donauwellen und Himbeertorte sah ich mir noch die Pressekonferenz an. Muss ein gutes Spiel gewesen sein, was die Trainer gesehen haben. 37.000 Zuschauer waren da wohl auf einer anderen Veranstaltung.

Gegen 15.45 Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg zur Waterloo-Station. Mit der Straba fuhr ich wieder nach Empelde. Der 532er brachte mich dann zurück ins Dorf. Um 17.00 Uhr war ich wieder zu Hause.

Fazit: Der Tag war dank der katastrophalen Anstoßzeit von 13.00 Uhr komplett im Arsch. Weder vor dem Spiel noch nach dem Spiel kann man irgendetwas Sinnvolles machen. Positiv war das Ambiente und die Hospitality sowie die interessanten Gespräche.

Komme ich zum Ausblick nach vorne: Nächste Saison hat die HBL (Handball Bundesliga) ihre Übertragungsrechte ebenfalls an SKY verkauft. Ergebnis dieses Deals: Die Heimspiele der Handball-Bundesliga finden jetzt am Donnerstag um 19.00 Uhr oder am Sonntag um 12.30 Uhr statt. Es soll keine Überschneidungen mehr mit dem Qualitätsprodukt No.1 Fußball geben. Bisher waren die Masse der Spiele samstags um 19.00 Uhr oder sonntags um 17.15 Uhr – insbesondere in Hannover. Also Spielzeiten, wo man als Zuschauer, Fan, Offizieller und Ehrenamtlicher auch noch was vom Tag vorher hatte.

Was würde die Anstoßzeit am Sonntag um 12.30 Uhr für mich bedeuten, wenn ich mit den Öffis dann zur TUI Arena ans EXPO-Gelände muss, dem nächsten Schachzug der Handballer?

Anpfiff ist um 12.30 Uhr. Um diese Anwurfzeit sauber zu erreichen und vor dem Spiel noch ein wenig das zukünftige familiäre Rahmenprogramm dieses Events nutzen zu können, muss ich um 9.30 Uhr das Haus verlassen, Über Barsinghausen fahre ich dann nach Empelde zur Straßenbahnendstation, von dort mit der Bahn bis zum Kröpcke. Ab Kröpcke geht es dann per Straßenbahn zur Messe/Ost. Um 11.27 Uhr bin ich an Messe/Ost. Fahrzeit: 1 Stunde 50 Minuten mit 3mal Umsteigen!!! Respekt!!! Alternativ kann ich um 11.04 Uhr fahren und bin dann 1:08 Stunden unterwegs um gerade den Anpfiff zu erreichen.

Zurück muss ich dann die Bahn um 14.48 Uhr ab Messe/Ost nehmen. Immerhin bin ich mit nur 2 mal Umsteigen um 16.00 Uhr wieder zu Hause.

Für ein Spiel am Sonntag um 12.20 Uhr bin ich mit Öffis insgesamt 6,5 Stunden aus dem Hause unterwegs. Und mein Sonntag ist auch hier wieder komplett verbraucht.

Ich frage mich, ob bei den Verhandlungen mit den Pay-TV-Sendern auch die Belange der Zuschauer noch berücksichtigt wurden oder rein monetäre Interessen im Vordergrund standen. Abgesehen von der Anwurfzeit um 12.30 Uhr, welcher Zuschauer sitzt um 12.30 Uhr vorm Fernseher und schaut sich das Spiel auf SKY an?

Der Handball hat seine Seele verkauft und seine Fans, Ehrenamtliche und alle anderen Beteiligten ohne Rücksicht überfahren. Kommerzielle Interessen stehen mal wieder über allem. Die Zukunft wird zeigen, ob die Verantwortlichen in ihren Entscheidungen bestätigt werden. Handball vor leeren Hallen und ohne Fans ist der Anfang vom Ende.

Kommentare   

+2 #1 Die Seele verkauftDeti 2017-02-27 19:29
Ja, ich muss Dir leider Recht geben, der Kommerz steht im Vordergrund, doch letztendlich ist es der Verbraucher, der diese Entwicklung unterstützt.
Beim Handball wird ja zumindest noch ehrlicher Sport geboten, was beim Fußball heute toller Fußball sein soll, ist für mich ein unansehnliches Gekicke.
Ich befürchte aber, wir werden die Entwicklung nicht aufhalten.
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