An der schönen blauen Donau – Fahrbier, Palinka und eine Zeitzone später

Einen schönen Nachmittag aus Eșelnița, direkt am "Eisernen Tor" an der schönen blauen Donau in Rumänien! Und leider auch vom letzten rumänischen Stopp unserer Tour.

Irgendwie schade, denn dieses Land hat uns mit grandiosen Landschaften, fantastischen Straßen und erstaunlich günstigen Cappuccinos ziemlich eingefangen.

Gestern Abend wurde erstmal standesgemäß gespeist. Zum obligatorischen Fahrbier gab es zum Tagesabschluss natürlich auch zwei Palinka. Sehr lecker!

Wobei der Mitfahrer aus Springe nach dem ersten Schluck kurz so aussah, als hätte er versehentlich Bremsenreiniger getrunken. „Ganz schön scharf das Zeug“, war noch das Freundlichste, was er dazu sagen konnte.

Heute Morgen ging es dann bei strahlend blauem Himmel von Sebeș Richtung Donau. Eigentlich stand die legendäre Transalpina auf dem Plan. Eigentlich…

Denn die Straße ist wegen Schnee noch gesperrt. Mitte Mai. In Rumänien fährt man also entweder durch Sonne, Regen oder eben Schneesperren. Abenteuerurlaub all inclusive.

Also sattelten wir um und rollten rund 250 Kilometer über die Nationalstraßen Richtung Südwesten. Dabei hatten wir wirklich alles dabei:

LKW-Karawanen, leere Straßen, kleine Dörfer, wilde Landschaften und zwischendurch den wunderschönen Nationalpark Domogled-Valea Cernei, der die Tour landschaftlich nochmal richtig aufgewertet hat.

Mittagspause machten wir in einem kleinen Restaurante irgendwo im Nirgendwo. Genau diese Sorte Laden, bei der man erst denkt: „Ob das gutgeht?“ …und fünf Minuten später sitzt man begeistert vor einem fantastischen Essen und will eigentlich nie wieder weg.

Das Wetter spielte heute komplett mit: kein Regen, trockene Straßen und hier an der Donau entspannte 25 Grad. Also genau die Temperaturen, bei denen Motorradfahren, Essen und Fahrbier gleichzeitig gute Ideen sind.

Natürlich mussten wir auch noch einen kulturellen Zwischenstopp einlegen. Am Kloster Mraconia und bei der berühmten Felsstatue von Decebalus.

Das Kloster liegt direkt am Donauufer und schaut praktisch dem dakischen König Decebalus beim Dauerstarren nach Serbien zu. Die heutige Klosteranlage wurde übrigens erst in den 1990ern neu aufgebaut, nachdem ältere Klöster beim Bau des Eisernen-Tor-Staudamms abgesoffen sind.

Und dann steht da dieser riesige Decebalus-Kopf im Felsen. 55 Meter hoch. Europas größte Felsstatue. Direkt gegenüber von Serbien. Quasi das rumänische Pendant zu Mount Rushmore – nur mit mehr Schnurrbart und weniger Touristenbussen.

Unter dem Gesicht steht auf Latein: „DECEBAL REX – DRAGAN FECIT“

Also sinngemäß: „König Decebalus – bezahlt hat’s Drăgan.“

Besonders spannend wurde es dann am Kloster mit unserem Navi. Plötzlich sprang die Uhrzeit eine Stunde zurück. Wir dachten erst: „Super. Jetzt spinnt auch noch die Technik.“

Aber tatsächlich verläuft hier an der Donau eine echte Zeitzonengrenze: Rumänien lebt in der osteuropäischen Zeit, Serbien eine Stunde dahinter in der mitteleuropäischen Zeit.

Heißt konkret: Du schaust gemütlich über die Donau – und blickst praktisch in die Vergangenheit.

Morgen testen wir das live auf der serbischen Seite. Mal sehen, ob wir dort die berühmte Tabula Traiana finden und wie Rumänien vom anderen Ufer aussieht.

Jetzt geht’s aber erstmal auf die Terrasse unserer Pensiunea mit direktem Blick auf die Donau. Die letzten rumänischen Fahrbiere bei sommerlichen Temperaturen warten bereits und vermutlich wird auch noch der eine oder andere Palinka auftauchen.

Es ist herrlich ruhig hier in Eșelnița. Nur Vogelgezwitscher, Donau und Frieden. Nach dem Trubel der letzten Städte genau das Richtige zum Runterkommen.

Genießen wir den letzten Abend in Rumänien.

Morgen melden wir uns dann aus Nis in Serbien.

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