Wir sind nach einem abwechslungsreichen, chaotischen und herrlich bekloppten Tag mitten in Belgrad eingecheckt. Und mit „mitten drin“ meinen wir wirklich mittendrin. Noch zentraler wäre vermutlich nur ein Hotel direkt auf der Kreuzung umme Ecke gewesen.
Belgrad ist definitiv eine richtige BIG CITY. Laut, voll, lebendig und mit ungefähr doppelt so vielen Autos wie eigentlich auf die Straßen passen.
Der gestrige Abend begann allerdings erstmal entspannt. Da es draußen schüttete wie aus Kübeln, schickte uns die Dame an der Rezeption einfach quer über die Straße in ein landestypisches Restaurant. Kurzer Weg. Trockene Klamotten. Gute Idee.
Die Speisekarte dort hatte ungefähr den Umfang eines mittleren Telefonbuchs. Dagegen wirkt die Karte vom Porec Grill in Empelde wie die Zutatenliste eines Überraschungseis.
Alles klang hervorragend. Unsere Auswahl war hervorragend. Das Essen war hervorragend.
Und natürlich gab’s zum Abschluss wieder einen Palinka. Man möchte ja schließlich kulturell interessiert wirken. Auch Daniel genoss den Tropfen des Balkan Schnappes.
Heute Morgen verließen wir Niš dann um 8:30 Uhr bei sonnigen 14 Grad. Ziel: Belgrad. Die Route sollte eigentlich gemütlich über Landstraßen, Berge und Felder führen.
Eigentlich.
Denn plötzlich lotste uns das Navi trotz „Autobahn vermeiden“ direkt auf die Autobahn. Warum? Weil die Nationalstraße gesperrt war.
Also rein in die serbische PEAGE-Lotterie. Am Automaten zogen wir für zwei Motorräder allerdings nur ein Ticket. Anfängerfehler.
20 Kilometer später erklärte uns der freundliche Mitarbeiter an der Zahlstelle mit der Herzlichkeit eines Parkplatzautomaten: Ein Ticket kostet 50 Cent. Das fehlende zweite Ticket kostet 12 Euro. Herzlichen Glückwunsch.
Kein Bonus für Touristen. Kein „Ach komm Jungs“. Kein Mitleid. Nur Balkan-Bußgeldpädagogik. Dankeschön…
Zum Glück wurde der Tag kurz danach wieder besser.
Denn Daniel hatte unterwegs die Fixierschraube seines Schaltknaufs verloren. Der Knauf hing quasi nur noch aus Solidarität an der BMW. Also steuerten wir einen Reifenladen an.
Der Mechaniker dort war das komplette Gegenteil vom PEAGE-Typen: Hilfsbereit, freundlich und entspannt. Er organisierte eine passende Schraube und baute alles wieder zusammen.
Tag gerettet. BMW gerettet. Schaltvorgänge gerettet. Wir gerettet.
Ohne Schaltknauf bis Deutschland wäre die Tour vermutlich sehr schön geworden.
Natürlich wollten wir ihm etwas dafür geben. Er wollte eigentlich nichts haben. Wir haben ihn trotzdem ordentlich entlohnt. Solche Leute machen Reisen am Ende besonders.
Dann kam Belgrad. Und Belgrad kam zurück.
Verkehr ohne Ende. Menschenmassen. Einbahnstraßen. Baustellen. Keine Parkplätze. Komplettes Großstadtchaos. Fast eine Stunde brauchten wir für die letzten Kilometer bis zum Hotel.
Zwischendurch wollten wir noch bei Gazprom tanken. Also Karte raus – Mastercard. „No.“ Visa? „No. „Amex"? No. „Euro?” No.
Da schaute ich ziemlich belämmert…. Wat nu?
Wegen der Sanktionen nehmen viele Gazprom-Tankstellen keine westlichen Kreditkarten. Euro-Cash wollte sie ebenfalls nicht haben.
Also erstmal an den Geldautomaten, serbische Dinar ziehen und zurück zur Uschi.
Ab morgen tanken wir dann vermutlich lieber woanders.
Interessant übrigens:
Die Spritpreise in Serbien sind an JEDER Tankstelle gleich. Egal ob Autobahn, Dorf oder Markenname. Überall derselbe Preis. Und Tankstellen gibt es wie Sand am Meer an jeder Ecke, genauso wie Self-Service-Autowäsche. Waschen waren wir die Eimer nach gestern übrigens auch.
Da würde in Deutschland vermutlich sofort eine fünfteilige RTL-Reportage draus werden und das Kartellamt aufwecken.
Das Hotel mitten in der City erreichten wir schließlich nur dank unseres Portiers. Der fing uns nach einem Anruf irgendwo im Verkehrschaos ein und lotste uns durch die Fußgängerzone in einen versteckten Hinterhof.
Dort stehen die Motorräder jetzt sicher.
Wobei: Für die Parkplatzkosten hätten wir in Rumänien vermutlich noch ein Einzelzimmer mit Frühstück und zwei Palinca extra bekommen.
Morgen ist erstmal Pause angesagt: Vatertag 2026 in Belgrad.
Letztes Jahr waren wir an Vatertag übrigens in Warschau. Offenbar haben wir einen Hang dazu, große Städte an diesem Tag unsicher zu machen.
Das Wetter ist übrigens top: Trocken, Sonne und bis zu 17 Grad.
Also deutlich angenehmer als das kalte Regenfestival in Deutschland.
Schauen wir mal, was der Abend in Belgrad noch bringt. Infos folgen.
Euch ein schönes Himmelfahrtsfest 2026 aus BEOGRAD.






