Einen bunten Dienstag aus Niš in Serbien! Wir haben soeben nach 258 Kilometern sicher angelegt. Wobei man fairerweise sagen muss: Etwa 150 Kilometer davon hätten auch problemlos als Seemeilen durchgehen können.
Gestern Abend wurden wir in unserer Pension in Eșelnița direkt standesgemäß empfangen:
- Nicht mit einem Handschlag.
- Nicht mit einem Begrüßungsgetränk.
- Nein.
- Mit einer kompletten Flasche Palinka vom Haus.
- „Hier die Flasche, schenkt euch ein.“
So muss Gastfreundschaft funktionieren. Genau wie auf Kreta. Da fühlt man sich sofort willkommen und gleichzeitig ein bisschen unsicher, wie der nächste Morgen wird.
Auf der Terrasse direkt an der Donau speisten wir hervorragend bei immer noch angenehmen 25 Grad um 18 Uhr. Die Donau sieht dort übrigens nicht aus wie ein Fluss, sondern eher wie ein Fjord oder ein kleiner Ozean. Zwei Kilometer breit, kaum Strömung, absolute Ruhe. Nur ab und zu zog mal ein Frachter oder ein Flusskreuzer vorbei.
Also genau die Art von Abend, bei der man plötzlich anfängt zu überlegen, ob man wirklich nochmal nach Hause möchte.
Dann zog allerdings das angekündigte Gewitter auf.
Und was da vom Himmel kam, war kein Regen mehr – das war eine amtliche Naturdusche XXL mit Blitz, Donner und allem Drum und Dran.
Wir verzogen uns aufs Zimmer und beobachteten das Schauspiel vom Balkon aus. Unsere Motorräder standen draußen und sahen dabei aus, als würden sie heimlich schon mal für den nächsten Tag einweichen.
Heute Morgen ging es dann direkt nass weiter. Frühstück um 8 Uhr, anschließend Regenklamotten anziehen und Abfahrt.
Unsere BMW Wasserbusse wurden kurzerhand zu Jetskis umfunktioniert und wir fuhren flussabwärts Richtung Grenzübergang am Eisernen Tor von Rumänien nach Serbien.
Grenzübertritt? Natürlich im strömenden Regen.
Die klassischen Grenze-Selfies fielen daher eher ins Wasser. Wortwörtlich.
Zusätzlich sprang an der Grenze auch noch die Uhr eine Stunde zurück. Wir waren also plötzlich offiziell in der Vergangenheit unterwegs. Motorradfahren und Zeitreisen gleichzeitig – auch nicht schlecht.
Auf serbischer Seite ging es zunächst wieder flussaufwärts entlang der Donau. Traumhafte Strecke. Atemberaubende Landschaft. Definitiv bisher eines der absoluten Highlights der Reise.
Am Parkplatz gegenüber vom Kloster Mraconia – genau an der engsten Stelle der Donau – hörte der Regen tatsächlich mal kurz auf. Ein kleines Wunder. Also schnell Fotostopp gemacht, Bilder geschossen und weiter.
Als wir die Donau schließlich verließen, wurde das Wetter plötzlich besser. Bis Bor hatten wir trockene Straßen, herrliche Kurven, Wälder, Berge und praktisch keinen Verkehr.
Kurz gesagt: Wir konnten die Kühe fliegen lassen.
Mittagsrast machten wir in Bor, bevor wir beim Blick Richtung Niš feststellten: Alles schwarz am Himmel.
Also wieder Regenklamotten an und weiter.
Die nächsten 40 Kilometer bis Opština Boljevac waren dann Motorradporno pur: Kurven ohne Ende, super Asphalt, kein Verkehr und Straßen wie in den weißen Bergen auf Kreta.
Der Hesse hätte vermutlich nach 20 Kilometern gefragt: „Können wir auch mal 100 Meter geradeaus fahren?“
Antwort: Nein. Zum Glück nicht.
Doch dann kam der zweite Hammer des Tages.
Kurz vor Niš verwandelte sich die Strecke in eine Mischung aus Offroadpark, Schlammgrube und Bachlauf. Der Regen hatte die Straßen teilweise komplett ausgewaschen.
Ab da war Jetski fahren angesagt – nur eben durch die Berge.
Schlamm, Geröll, Wasserläufe und kaputte Straßen. Natürlich komplett alleine unterwegs. Niemand sonst war offensichtlich so bekloppt, bei diesem Wetter dort herumzufahren.
Ohne Regen wäre die Strecke wahrscheinlich herrlich gewesen. Mit Regen war es eher „Paris-Dakar trifft Hochdruckreiniger“.
Die kleinen Dörfer unterwegs kämpften noch sichtbar mit den Wassermassen. Überall Schlamm, Steine und kleine Bäche auf den Straßen.
Erst etwa 20 Kilometer vor Niš hatten wir den ganzen Wahnsinn endlich hinter uns und konnten die letzten Kilometer trocken rollen.
Fazit des Tages:
Wahnsinnig schöne Landschaften, fantastische Strecken, etwas zu viel Wasser von oben – aber genau solche Tage bleiben später in Erinnerung.
Und jetzt schauen wir mal, was der Abend in Niš noch so bringt.
Bis morgen aus Belgrad!







